Mit insgesamt 14 Awards ist Raman El Atiaoui der Gesamtgewinner der Masters of German Wedding Photography 2016. Raman wurde 1972 in Frankfurt am Main geboren. Der gelernte Fotograf und Mediengestalter lebt mit Frau und Tochter in Eltville im Rheingau.

 

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich bin ein Fotograf alter Schule. Ich mag kontrastreiche, edle Fotos im klassischen Stil. Das sind oft ganz einfache Bilder, die nicht immer kreativ, neu und witzig sein müssen. Ich würde nie einen Bräutigam darum bitten, auf der Straße in die Luft zu springen, weil das gerade in ist.

Mir ist eine gute Mischung wichtig, die auf das Brautpaar zugeschnitten ist. Ich beobachte meine Kunden intensiv und lerne sie vor der Hochzeit kennen, so dass ich weiß, was zu ihnen passt. Zum Aufwärmen starte ich mit zeitlosen Motiven und wenn das Brautpaar lockerer geworden ist, mache ich auch ausgefallenere Sachen. Von allem etwas. Mein Anspruch ist, dass die Paare nicht die Augen verdrehen, wenn sie sich in 20 Jahren ihre Bilder anschauen. Ich möchte auf keinen Fall, dass meine Kunden später denken: „O Gott, was haben wir denn damals gemacht?“

 

foto: Raman El Atiaoui

 

Wie hast du damals angefangen und wie hat sich die Hochzeitsfotografie in Deutschland aus deiner Sicht entwickelt?

Als ich vor 19 Jahren meine erste Hochzeit fotografiert habe, war das eine ganz andere Welt. Ich war im ersten Ausbildungsjahr zum Fotografen und Freunde von mir haben geheiratet. Natürlich war ich total angespannt und aufgeregt und habe unendlich viele Fotos geschossen, um auf Nummer sicher zu gehen. Als ich dem Brautpaar die Fotos übergeben habe, flossen viele Tränen und die beiden waren sehr gerührt. Für mich war das ein Aha-Erlebnis: Ein total verliebtes Pärchen ist überglücklich mit seinen Fotos und ich werde dafür auch noch bezahlt!

Lange Zeit wurde der Job von anderen Fotografen belächelt. Brautpaare, die hinter einem Baumstamm hervorgucken und in die Kamera winken, ein Bräutigam im Kniefall, der einen Handkuss andeutet, oft vor komischen Hintergründen im Studio fotografiert: So sahen Hochzeitsfotos vor 15 Jahren aus! Mehr als gestellte Porträts vom Brautpaar und ein paar Gruppenfotos war nicht drin. Damals wurde analog fotografiert und wenn der Fotograf die Filme im Labor abgegeben hatte, war sein Job beendet. Von der Arbeitszeit her sehr überschaubar. Entsprechend niedrig war auch die Gage. Insgesamt nicht sehr attraktiv.

Ich habe mir gesagt, es muss auch anders gehen. Die amerikanischen Hochzeitsfotografen waren schon früh mit einer moderneren Art der Fotografie unterwegs. Davon habe ich mich inspirieren lassen. Storytelling und ganztägige Reportagen gaben der Aufgabe eines Hochzeitsfotografen eine ganz andere Bedeutung. Zu dem Einsatz vor Ort kommen im Anschluss drei bis fünf Arbeitstage für die Sichtung und Nachbearbeitung der Fotos. So haben sich auch die Preise verändert.

Mittlerweile ist bei vielen Fotografen angekommen, dass man mit Hochzeiten gutes Geld verdienen kann. Auch deswegen ist der Run riesig. Die Hochzeitsfotografie befindet sich international auf hohem Niveau und ist sehr kreativ geworden. Die Amerikaner hatten ziemlich lang die Nase vorn, mittlerweile gibt es kaum noch Unterschiede in den einzelnen Ländern. Das ist sicherlich auch den vielen Vereinigungen geschuldet, bei denen sich Fotografen aus aller Welt messen können.

 

Was macht für dich den Masters-Fottowettbewerb aus?

Mich hat vor allem gereizt, dass der Wettbewerb auf den deutschsprachigen Raum begrenzt ist. Das gab es vorher nicht. Ich kenne viele internationale Vereinigungen und Wettbewerbe, die sehr populär sind. Die Herausforderung bei den Masters of German Wedding Photography war für mich, mich national mit anderen Fotografen zu messen. Und das über mehrere Quartale hinweg.

Für mich ist der Masters-Wettbewerb auch vor einem anderen Hintergrund relevant. Ich biete Workshops und Single Coaching an für Newcomer, die sich an jemand Erfahrenem orientieren möchten. Meine Platzierung bei den Masters bringt mir über Google natürlich mehr Aufmerksamkeit. Und auch bei den Brautpaaren kommt es gut an, wenn ich auf Facebook poste, dass ich Photographer of the Year bei den Masters of German Wedding Photography geworden bin. Brautpaare, die mich für ihre Hochzeit im nächsten Jahr gebucht haben, sind stolz und freuen sich darüber, sowas zu lesen. Das gibt ihnen das gute und sichere Gefühl, den richtigen Fotografen gewählt zu haben. So einen Wettbewerb gewinnt man nicht einfach so, das Niveau ist sehr hoch und diese Platzierung ist eine Auszeichnung.

Aber ich würde niemals behaupten, dass ich der beste Hochzeitsfotograf Deutschlands bin - das wäre eine Farce. Ich bin lediglich der Gewinner dieses Wettbewerbs. Es gibt sehr viele gute Hochzeitsfotografen, die gar nicht mitgemacht haben. Und diese Einschätzung ist außerdem Geschmackssache, eine ganz subjektive Geschichte. Was ich über mich sagen kann ist, dass ich ein sehr erfahrener, emphatischer und leidenschaftlicher Hochzeitsfotograf bin. Alles andere liegt in den Augen der Brautpaare.

 

Welche Trends siehst du im Bereich Hochzeitsfotografie in Deutschland?

Wie alle Künstler sind wir Fotografen natürlich eitel. Wir schmücken uns gern mit schönen Fotos - aber es darf nicht die Regel werden, Style Shoots zu posten. Es macht mir ein wenig Sorge, wie viele Newcomer Style Shoots organisieren. Da werden Model-Pärchen gebucht, geschminkt und frisiert, ein Brautmodenladen stellt Kleid und Anzug zur Verfügung, eine Floristin zaubert die schönste Blumendeko und in nachgestellter Szenerie wird den ganzen Tag geshootet. Klar, dass da ein paar gute Fotos entstehen, die dann auf der Website des Fotografen landen. Das Problem ist: Echte Brautpaare werden dadurch getäuscht und fallen (pardon!) auf die Schnauze, wenn sie ihre eigenen Fotos sehen.

Die Realität sieht anders aus. Ein Fotograf muss in der Lage sein, am Hochzeitstag in Hektik sein Brautpaar in Szene zu setzen, das keine Ahnung hat, wie es sich hinstellen, küssen, anfassen soll. Das sind eben keine Models. Die stehen etwas steif da, der Fotograf ist überfordert, hat nur ein paar Stunden Zeit, vielleicht ist das Licht ungünstig. Einen Style Shoot verschiebt man bei Regen - bei einer echten Hochzeit geht das nicht. Und dann gibt’s ein böses Erwachen. Was hilft: vorher die Blogeinträge des Fotografen anzugucken. Wer nicht bloggt, hat nichts zum Zeigen. 60 - 100 gute Fotos sollte ein Fotograf pro Hochzeit hervorbringen. Bei den Masters sind keine Fotos von Workshops und Style Shoots zugelassen, sondern ausschließlich Bilder von echten Hochzeiten.

Welche Tipps würdest du Hochzeitsfotografen mit auf den Weg geben, die am Anfang ihrer Karriere stehen?
Jeder sollte erst mal klein anfangen! Junge Fotografen sind ungeduldig - sie wollen von heute auf morgen auf den ganz tollen, exklusiven Hochzeiten glänzen, statt mit kleinen Dorfhochzeiten anzufangen. Aber das muss man sich erarbeiten. Wenn ein Newcomer zu mir sagt, bei den Hochzeiten, für die ich gebucht bin, sei es ja auch einfach, gute Fotos zu machen - dann sieht der nichts von der hohen Verantwortung und dem großen Stress. Ich muss absolut präsent sein, die richtigen Momente erwischen, ein gutes Gesamtergebnis abliefern und das ist unheimlich schwierig. Das bekommt nur hin, wer viel Erfahrung gesammelt hat. Und das ist harte Arbeit!

Man muss viele Hochzeiten fotografieren, mit der Zeit wird man immer besser, auch mit der Nachbearbeitung. Mit der steigenden Qualität kommen interessantere Anfragen, die nächste Stufe. Und dann rockt man auf diesem Level. Sammelt step by step Bilder und Erfahrungen. Lernt auch, Niederlagen ein- und wegzustecken. Mein Tipp: fleißig sein, authentisch und ehrlich bleiben, ein bisschen Demut an den Tag legen - nicht gleich auf dicke Hose machen. Ein bisschen mehr Understatement. Man kann zum Üben auch mal ein Style Shoot machen, sollte aber damit nicht permanent seine Webseite schmücken.

 

foto: Raman El Atiaoui

Was inspiriert dich zu deinen Foto-Ideen?

Ich bin Film-Junkie. Fotografie und Film liegen thematisch nahe beieinander. Ich sehe oft Filmszenen im Kino und denke: Mit einem Brautpaar wäre das auch genial! Oder Werbung in den Printmedien. Internationale Wettbewerbe. Kunst. Aber das Allerwichtigste hierbei, das ich auch jedes Mal bei meinen Workshops predige: Inspiration ja, aber bitte nicht kopieren. Ich habe meinen Stolz und versuche immer, meine eigene Note einzubringen.

Jedes gute Foto hat einen Code. Wer in der Lage ist, diesen Aha-Effekt zu entschlüsseln und zu erkennen, was das Foto auszeichnet, ist auf dem Weg, ein richtig guter Fotograf zu werden. Und dann ist es kein Problem, selbst solche Bilder zu schießen. Wow-Bilder, die man nicht kopieren kann. Zum Beispiel mein Foto von dem yoga-verrückten Brautpaar auf dem Dach ihres Trabis. Bei einer normalen Frontal-Aufnahme hätte das Bild nicht diese starke Wirkung gehabt, also hat mein Assistent mich auf die Schultern genommen und ich habe die Arme zudem weit hochgerissen. Ich hatte wirklich Schiss runterzufallen - aber das Foto ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe. Tolle Kulisse, perfektes Licht, 100 % authentisch. Und glücklicherweise nicht 1:1 nachstellbar.

Eines meiner absoluten Lieblingsfotos ist das Bild vom Brautpaar am Rocco Rosso auf Sardinien. Nachdem ich den roten Felsen im Reiseführer gesehen hatte, musste ich dort unbedingt hin. Ich hatte diese Idee im Kopf, das Brautpaar nicht aneinander klebend, sich umarmend oder küssend zu inszenieren, sondern getrennt voneinander. Die Braut im Vordergrund, ihr Bräutigam als dunkle Silhouette in der Öffnung des Felsens. Und dann hat einfach alles gepasst: das Licht von der richtigen Seite, blauer Himmel mit Wolken. Da sitze ich hinterher vor meinem Rechner und bin überglücklich, dass ich es geschafft habe, so ein Bild zu schießen. Für mich sind diese Bilder meine Babys und Kunstwerke zugleich. Es ist das allergrößte Kompliment, wenn jemand eines dieser Bilder sieht und sagt: Das ist von Raman.

 

Interview: Astrid Schwenecke

 

 

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